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Angeregt von der Lektüre von Christian Bommarius über das Jahr 1949 und Willi Winkler, Das braune Netz, krame ich einen alten Brief hervor, als Beitrag zu einer Geschichte über den Umgang mit Hakenkreuzen im laufe der Nachkriegsgeschichte. 1984 hatte ich im Stadtbad Schöneberg Hakenkreuze gesehen und mich beim Bezirksamt beschwert. Hier die Antwort des Bezirksstadtrats Michael Barthel vom 12.7.1984:

“Betr.: Rassistische Schmierereien an Kabinentüren.

Sehr geehrter Herr Rosenstrauch! In Ihrem Schreiben sprechen Sie eingangs von Rassismus im Stadtbad Sachsendamm. Wir dürfen hierzu richtig stellen, daß in der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg … kein Rassismus betrieben wird. Dennoch ist Ihre Feststellung richtig, daß an einigen Kabinentüren Schmierereien mit politischem, nazistischem Inhalt sowie Hakenkreuze angebracht wurden. Es ist nicht möglich, in der Zentralgarderobe jede Kabine nach der Benutzung den ordnungsgemäßen Zustand zu kontrollieren, so daß leider immer wieder die Möglichkeit gegeben ist, daß von den Besuchern politische Symbole, neonazistische und diskriminierende Äußerungen auf die Türinnenflächen angebracht werden. Die hierbei verwendeten Schreibmittel sind so farbecht, daß sie mit herkömmlichen Reinigungsmitteln nicht zu beseitigen sind. Wir haben deshalb zunächst die infragekommenden Kabinen für die allgemeine Nutzung gesperrt.

Die Beseitigung der Schmierereien ist nur mit einer Speziallösung für Kunstharzfarben möglich. Diese Lösung ist feuergefährlich, flüchtig und gesundheitsschädlich. Bei Verwendung sind Schutzmasken anzulegen. Außerdem müssen Absaugvorrichtungen benutzt werden. Hieraus erkennen Sie, daß diese Arbeiten aufwendig sind und nur während einer Schließungsperiode, nicht aber während des allgemeinen Betriebes vorgenommen werden können, um Beeinträchtigungen sowie gesundheitliche Schädigungen der Besucher und Badegäste auszuschließen. Wir werden die von Ihnen und uns beanstandeten Schmierereien während der Hallenschließungszeit vom 16.7. – 12.8. 1984 beseitigen. Wir sind mit Ihnen der Meinung, daß solcher Beschriftungen und Sachbeschädigungen unerträglich sind. Leider gibt es unter den Badegästen aber stets unbelehrbare Personen, die sich gegenüber anderen Mitbürgern in politisch herabsetzender Weise verhalten. Insofern ist nicht völlig auszuschließen, daß in Zukunft solche Art von Beschriftungen unterbleiben. Das Personal ist aber angewiesen, ein besonderes Augenmerk auf diesen Teil des Gebäudes zu richten.”

Man war damals noch recht hilflos,seither hat sich einiges geändert, man geht inzwischen anders mit solchen Symbolen um. Hübsch finde ich aus heutiger Sicht die Fehlleistung: es sei nicht auszuschließen, daß in Zukunft solche Art von Beschriftung unterbleiben. Und aus historischer Sicht, wie ausführlich doch die Problematik chemischer Reinigungsmittel erläutert wird.