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	<title>Gegenöffentlichkeiten &#8211; Hazel E. Rosenstrauch</title>
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	<title>Gegenöffentlichkeiten &#8211; Hazel E. Rosenstrauch</title>
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		<title>Einladung im Hackerspace X-hain</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hazel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jun 2023 14:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitschriften]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf der Suche nach dem roten Faden Als ich im April zum ersten Mal hier war, ging es um Dystopien. Aufgrund meiner Herkunft und Geschichte fühle ich mich genötigt, dem etwas entgegenzusetzen. Der Reflex hat damit zu tun, dass ich aus einer jüdisch- kommunistischen Remigrantenfamilie komme, kurz nach dem 2. Weltkrieg geboren und im nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="1619" class="elementor elementor-1619" data-elementor-post-type="post">
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									<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auf der Suche nach dem roten Faden</strong></p><p><strong><br></strong></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Als ich im April zum ersten Mal hier war, ging es um Dystopien. Aufgrund</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">meiner Herkunft und Geschichte fühle ich mich genötigt, dem etwas</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">entgegenzusetzen. Der Reflex hat damit zu tun, dass ich aus einer jüdisch-</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">kommunistischen Remigrantenfamilie komme, kurz nach dem 2. Weltkrieg</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">geboren und im nicht gerade liberalen Wien der 50er Jahre – in Floridsdorf,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">dem russisch besetzten Bezirk jenseits der Donau – aufgewachsen bin. Ich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">bin mit dem Weltverbesserungsgen geimpft geworden.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich den Blick über meine Regale schweifen lasse, steht da viel 18. und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">frühes 19. Jahrhundert, etliches zu Exil, zu Juden, Emigrantinnen,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Intellektuellen, Außenseitern und über diverse Auf- und Umbrüche.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Radikale Umbrüche – ob Ende des 18. Jhdts, in den 1960ern, nach 1989 und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">jetzt gehören zu meinen Lieblingsthemen. Flucht und Emigration wurden</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schon wegen meiner Biographie früh an mich herangetragen. Später hatte</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ich als Redakteurin der Gegenworte Gelegenheit meine Bildungslücken in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Technik und Naturwissenschaften zu stopfen, und konnte meine</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Angebotspalette mit Wissenschaftsgeschichte und -vermittlung ergänzen.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe vieles ausprobiert, abgebrochen und neu angefangen. Wenn ich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">davon absehe, dass ich für Schulkolleginnen Liebesbriefe geschrieben und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">die Matura (=Abi) Zeitung m.o.w. im Alleingang verfertigt habe, war der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Eintritt ins schreibende Gewerbe ernüchternd. Ich hatte in Wien “nur” eine</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftsfachschule absolviert und wollte doch Journalistin werden. Mein</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zahnarzt empfahl mich einem seiner Patienten, der eine Wirtschaftszeit-</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schrift herausgab. Als ich nach diversen niederen Tätigkeiten einen Artikel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schreiben durfte, wurde der zwar gedruckt – aber durch Streichung und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ergänzung inhaltlich umgedreht. Es ging um die Situation von arabischen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und afrikanischen Studenten, die damals im Wien Mitte der 1960er Jahre</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">noch arg segregiert lebten. Der Chef machte aus meinen Material ein Pro-</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Apartheid-Pamphlet. Selbstverständlich habe ich empört gekündigt – und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gelernt, was “liberal” heißt. Nach einer Woche rief der Chef an und fragte,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ob ich, wenn ich ideologisch solche Bedenken hätte, als Fotografin bei ihm</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">arbeiten wolle. Ihm waren meine politischen Bedenken egal, er fand sie</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wohl nur komisch und hätte sowieso immer das letzte Wort gehabt.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ich kam nach Berlin, als die Studentenbewegung (ierende gab’s noch nicht)</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">anfing. Damals waren kinderwagenschiebende Männer noch rar,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">autofahrende Frauen wurden mit blöden Witzen bedacht, übermütige</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Mädchen waren suspekt. Als wir hüpfend auf den Straßen demonstrierten,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">waren Sprüche à la “Das hätte es unter Adolf nicht gegeben” oder “Euch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sollte man vergasen” normal. Insofern ist das Glas halbvoll. Die kulturellen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Muster verschwanden erst, als die Generation, der sie eingebläut worden</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">waren, ausstarb.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Für mich war es logisch, dass ich mich kopfüber in die Protestbewegung</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">stürzte, an Demos, Diskussionen und Pamphleten beteiligte. Auch wenn</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">meine Motive für politisches Engagement oft andere waren als die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">normaldeutscher Studienkollegen, fand auch ich Hippies, Anarchistisches,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Spaßguerilla und Sponti-Aktionen – die 66, 67 noch dominierten – lustig</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">befreiend und schön. Und weil es mir ja immer auch um Verbindungen zu</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">heute geht, erwähne ich, dass die Hetze gegen Minderheiten und das</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Medienmonopol – (“Enteignet Springer”) – eine wichtige Rolle spielten.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Debattiert, gestritten und abgegrenzt wurde damals nicht in Salons, eher in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Küchen, Kneipen und auf Konferenzen. Als Gegenkultur, in der steile</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Thesen und Programme für eine gerechtere Zukunft verbreitet wurden,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">fungierten neue Zeitschriften, Teach-Ins und aus dem Boden sprießende</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">kleine Verlage. Nachdrucke von Büchern aus den 1920er und 30er Jahren,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">die in dem langen Schatten der NS-Zeit weder auf dem Markt noch in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bibliotheken zu bekommen waren, wurden qua Bauchladen in den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">einschlägigen Lokalen verkauft (Norbert Elias’ Prozess der Zivilisation steht</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">noch in meiner Bibliothek). Damit entstand eine neue Öffentlichkeit erst in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Nischen und nach und nach auch in etablierten Strukturen. Der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kulturbetrieb war noch nicht so rasant und spezialisiert wie jetzt, es gab</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">keine Kurse in Creative Writing, keine Literaturhäuser und nur wenige</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Literaturpreise oder -stipendien. Aber die Honorare waren, zumal beim</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Rundfunk, gut bis sehr gut, Mieten billiger, die Redakteure freundlich oder</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sogar neugierig.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><br></p><p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich Muße und Geld fand, um ganze Bücher zu schreiben, publizierte</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ich in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden: Kritik an allem,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">verbunden mit Glaube und Hoffnung, dass eine andere Politik, andere</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Lebensformen, auch andere Geschlechterrollen möglich wären (<i>maskulin/</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>feminin</i> erschien 1972, heute würde man den Titel umdrehen). Eine</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Schulfreundin hatte mal gesagt: Du hast es gut, Du kannst Dich über</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bücher freuen. Sie konnte es offenbar nicht. In einer der neuen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zeitschriften warb ich für Zugang zu dieser Sucht. Als die Protestbewegung</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ihre Kraft verlor und die politisch Engagierten todernst und fanatisch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wurden, schrieb ich über Mittel gegen Resignation Ja doch, es kommen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">grausige Zeiten in: Und es bewegt sich doch &#8230; Texte wider die Resignation.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Da die Gastgeberin und wohl auch die Gäste ein Faible für Salons haben,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">berichte ich – antichronologisch – von einem Beitrag, der vor einem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Vierteljahrhundert erschienen ist. “Deutsche Schwestern” hieß der Band</p>
<p></p>

<p class="wp-block-paragraph"></p>

Nicht zufällig wurde ich um einen Text über die Töchter Moses<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Mendelssohns gebeten. Immerhin als “deutsche Schwestern” integriert,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">was damals nicht selbstverständlich war.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Man weiß viel über Brendel, die spätere Dorothea Schlegel, Muse der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Romantik, Inbegriff einer doppelten Emanzipation. Sie hat sich von ihrem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ungeliebten Mann Simon Veit scheiden lassen, hat – was damals und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">insbesondere für ihre Familie unerhört war – in wilder Ehe mit ihrem acht</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Jahre jüngeren Geliebten Friedrich Schlegel gelebt, sich erst protestantisch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und später katholisch taufen lassen. Ihr Sexualleben wurde durch Schlegels</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Buch “Lucinde” öffentlich und löste weit über Berlin hinaus einen Skandal</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">aus. Sie gehört zu den berühmten “jüdischen Salonièren” am die Ende des</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">18. Jahrhunderts, gilt als Erfinderin der romantischen Ehe und bis heute als</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Vorbild weiblicher Emanzipation. Brendel/Dorothea hat viele Briefe an</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Freunde und Freundinnen geschrieben, sodass sich ihr Leben und Fühlen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gut rekonstruieren lässt. Es gibt kaum ein Buch über die frühe Romantik, in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">dem sie nicht eine wichtige Rolle spielt. Weit weniger bekannt ist ihre zwölf</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Jahre jüngere Schwester Henriette, die vorwiegend in Paris gelebt und dort</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">eine Art Kindergarten für Mädchen gegründet hat. Offenbar hat sie schon</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">moderne Erziehungsmethoden angewandt, die (z.B. von Rousseau) nur für</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Knaben propagiert wurden. Später war sie bei einem Napoleonischen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">General Erzieherin seiner Tochter. Henriette war nicht hübsch, war bucklig</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wie ihr Vater, hat nie geheiratet und gehört zu den ersten Frauen, die von</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ihrer eigenen Arbeit nicht bloß überleben, sondern gut leben konnte. Sie</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sprach französisch und englisch “wie eine Einheimische” und war in Paris</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Anlaufstelle für viele der deutschen Reisenden: August Wilhelm Schlegel,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wilhelm, Caroline, Alexander von Humboldt, Mme de Stael, Adelbert von</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Chamisso u.a. schätzten sie. Durch sie wurde ich auf Karl August</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Varnhagen aufmerksam, der ihren scharfen Verstand lobt, ihm habe ich ein</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">paar Jahre später das Buch Karl August Varnhagen und die Kunst des</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">geselligen Lebens gewidmet. Die dritte Schwester, Recha, hat einen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">jüdischen Kaufmann geheiratet, mit dem sie nach Hamburg zog, auch sie</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hat Kinder betreut; vermutlich hat Henriette bei ihr das erzieherische</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">“Handwerk” gelernt. Nur hat sie leider kaum korrespondiert, weshalb</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wenig überliefert wurde. Anders als Dorothea, Henriette, die schöne</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Henriette Herz und die nicht hübsche Rahel Levin ist sie nicht konvertiert.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Was zu weiteren Lieblingsthemen führt, die ich in Büchern und Aufsätzen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">behandelt habe: Einflüsse der französischen Revolution, weibliche und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">jüdische Emanzipation, die Kunst der Geselligkeit und die Kunst, Briefe zu</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schreiben.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zurück in die 1960er Jahre: 1969, hatte ich im Weiberkursbuch für die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Emanzipation der Männer plädiert, weil sie sonst nichts mit uns anfangen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">können, damals bekam mir das nicht gut. Bis heute diskutiere ich mit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gleichaltrigen Frauen, ob wir, als wir nach emanzipierten Männer gesucht</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hatten, der Zeit voraus oder zu wenig feministisch waren. Mit diesem Text</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">rutschte ich in den neuen, gemessen an dem was vorher war, viel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">lebendigeren und politischen Medienbetrieb, schrieb für Zeitungen,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zeitschriften und Sammelbände und hatte die Weisheit mit Löffeln</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gefressen. Wir haben über Emanzipationen gestritten, und das hatte stets</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mit dem Weltganzen, mit Kritik am Kapitalismus und Entfremdung zu tun,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">was sich in einer Sprache niederschlug, mit der ich inzwischen ein Problem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">habe. Wir wollten eine andere Gesellschaft, Rechte für Frauen + für alle</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Unterdrückten. Die einen waren für den Marsch durch die Institutionen,</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">andere für Berufstätigkeit der Frauen, wieder andere forderten “Lohn für</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Hausarbeit”. In meiner Blase wollten Frauen nicht so potent und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">konkurrierend werden wie es die Männer-Rollen vorsahen, Karriere war</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">igitt. “Vollständig, nicht vollkommen” oder “jemand, nicht etwas werden”</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hießen unsere Schlagworte. Noch debattierten wir miteinander. Ins</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">postfaschistische Westdeutschland wehten zu der Zeit Nachrichten von</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bürgerrechtsbewegungen in den USA, von Rock-Gruppen in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Großbritannien, von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz in der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Tschechoslowakei und von Anti-Vietnam-Protesten sowieso. ///</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">1969 zog ich nach München, schrieb für Zeitschriften, Rundfunk und sog.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">“graue Literatur”, war Teil eines der ersten linken Kleinverlags-Kollektive</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">(Weismann). Irgendwie habe ich noch schnell meinen Magister in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Germanistik absolviert, über den Verleger Ernst Keil und die die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Gartenlaube – das erste deutsche Blatt für ein “Massenpublikum”. Mich hat</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">der Übergang vom Handwerk zu Industrie im Schreibgewerbe interessiert.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">In der Schmachtliteratur aus Fertigteilen mit genau berechneten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Cliffhängern erkenne ich heute die Ahnen von Chat-GPT, und überlege, ob</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und wie sich meine damals gesammelten Weisheiten über Manipulation,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Hirnwäsche und Massenmedien in die Gegenwart übersetzen ließen.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Der Radikalenerlass von 1972 und das damit verknüpfte Berufsverbot</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">förderten prekäre Beschäftigungen im Off-Sektor und in “freien” Berufen.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wieder in Berlin tauchte ich in die Abgründe des Neuköllner Proletariats.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen publizierte ich in unter dem Titel: <i>Mit dem Taschenmesser</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>im Urwald eine Eisenbahn bauen</i>. Die Zeitschrift, in der ich das</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">veröffentlicht habe, hieß “alternative”. Das Umdeuten von Sprache, Riten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Ideen finde ich quer durch die Geschichte höchst spannend. Zu</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">markanten Veränderungen gehören auch unsere Kurse “Deutsch für</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Türken” an der VHS. Dafür gab es noch keine Lehrbücher. Wir haben eines</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">entworfen – was daraus wurde ist eine lehrreiche Geschichte, die ich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">weglassen muss.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Neue Zeitschriften, Kleinverlage, Off-Theater und allerlei freie Berufe</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">öffneten den Markt und die Hirne jenseits des Mainstreams, weiteten den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Horizont ähnlich wie heute Bücher und neue Medien türkische, syrische,</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">persische, ukrainische oder lettische Literatur ins deutsche Bewusstsein</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">tragen. In mancher Hinsicht scheint mir das durchaus vergleichbar mit dem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">neuen Wind, der im letzten Drittel des 18. Jahr-hunderts durch deutsche</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kleinstaaten wehte, als ausländische Zeitschriften, Übersetzungen, Briefe</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Reiseberichte zugänglich wurden. <br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Damit komme ich zu dem Mann, der mich ins 18. Jahrhundert verführt hat.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Er heißt Philipp Erasmus Reich, man muss ihn nicht kennen, aber es ist</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schade, dass Figuren wie er in der deutschen Literaturgeschichte lange</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">unterschlagen wurden. Reich war Verleger in Leipzig, der erste, der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Autoren feste Honorare zahlte, ein Reformer des Buchhandels. Er wurde</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wegen seines Kampfs gegen den Nachdruck bekannt – und geschmäht. In</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">einem auch wieder etwas kühnen Vergleich ging es um Fragen, die jetzt</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">unter der Überschrift Urheberrecht, Plagiat, copy/paste und Datenklau</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">diskutiert werden. Reichs Modernisierungen haben sich von Sachsen aus</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">über die deutschen Länder ausgebreitet. Es war die Zeit der damals oft</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">beklagten “Leseseuche”, die auch als Gefahr gesehen wurde. Das lesefähige</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Publikum wuchs, es entstand ein Markt für Belletristik, in neuen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zeitschriften, Briefen, auch Leihbüchereien und Cafés tauschten sich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Autoren und Leser, und ja, auch Leserinnen, aus. Zwar gab es Zensur, aber</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">zu den Vorteilen deutscher Vielstaaterei gehörten deren unterschiedliche</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Handhabung und damit Umgehungsmöglichkeiten. Die zahlreichen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Übersetzungen brachten neues Gedankengut und neue Sitten in literarisch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">rückständige deutsche Lande. Literatur und Bildung wurden zur Basis für</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">eine wachsende Zahl bürgerlicher – meist von Frauen initiierter – Salons,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">in denen diskutiert und Antworten entworfen wurden.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ich lebte inzwischen in Tübingen, Reich wurde mein Dissertationsthema,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und dabei lernte ich das Handwerk des Forschens, Wühlens und Planens.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Weil ich einen österreichischen Pass besitze, konnte ich schon in den 1970</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und 80er Jahren in DDR-Archiven arbeiten, in Leipzig, Dresden, Berlin-Ost.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Österreich unterhielt seit 1972 diplomatische Beziehungen zur DDR, was im</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kalten Krieg keine Selbstverständlichkeit war, 1978 war zwischen den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">beiden Staaten Kulturabkommen geschlossen worden, woraus allerlei</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">kulturelle und wirtschaftliche Kooperationen zwischen Ö und DDR</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">entstanden. Für Buchbesprechungen im Funk bekam man damals pro Titel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">eine halbe Stunde Sendezeit, von dem Honorar konnte ich fast einen Monat</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">leben. Neues Handwerk lernte ich auch beim Tübinger Tagblatt, die Arbeit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">schloss ja den Kontakt zum Alltag in der Kleinstadt ein. Ich würde gerne</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mehr über Reich erzählen, aber dann bliebe keine Zeit für die anderen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bücher, und mit ihm fing mein Faible für das 18. Jahrhundert erst an. In</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Leinen gebunden, grün, A 4 Format erschien das Ergebnis meiner Studien</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gleichzeitig mit meinem Sohn Anfang 1986 (wir hatten gewettet, wer zuerst</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">kommt – sie kamen gleichzeitig. Mein Sohn heißt deshalb – wenn auch nur</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mit drittem Namen – Erasmus).</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">1980/81 kam ich wieder nach Berlin und betreute bei der Preußen-</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ausstellung der Berliner Festspiele die Öffentlichkeitsarbeit. Danach war</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Institut der FU</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Berlin, schrieb, lehrte, diskutierte und versuchte vergeblich,subversiv zu</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sein. Wissenschaftliche, kulturelle und politische Szenen überschnitten sich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ja noch. 1988 erschien in einem jungen Kleinverlag <i>Aus Nachbarn wurden</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Juden – Ausgrenzung und Selbstbehauptung 1938 &#8211; 1942</i> mit Fotos des</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">renommierten, nach 1938 mit Berufsverbot belegten Fotografen Abraham</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Pisarek. Aus den Bildern entstand in Kooperation mit einem prä-digitalen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">“Netzwerk” eine Ausstellung mit den Fotos, die durch die Lande gereist ist.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Juden waren hier normale Menschen, nicht die ganz Anderen, Fremden, als</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">die sie bis heute noch oft dargestellt werden. Ich war sehr zufrieden als die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Besucher sagten: “Huch, das könnte ja auch meine Großmutter sein.”</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ergänzt habe ich den Band mit Briefen meiner Mutter, die 1938 versucht</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hat, aus Österreich herauszukommen. Ihren Eltern gelang es nicht.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ende 1988 verließ ich mal wieder Berlin und zog nach Wien, erst einmal</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">provisorisch, aber ich war keine zwei Wochen dort, als ich gefragt wurde,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ob ich die Redaktion des “Wiener Tagebuch” übernehmen würde. Die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zeitschrift war 1968 von Menschen gegründet worden, die im Spanischen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bürgerkrieg gekämpft oder KZs überlebt hatten oder nach 45 aus der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Emigration nach Österreich zurückgekehrt waren. Sie waren seit den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">1920er und 30er Jahren Kommunisten und nach dem Einmarsch der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Sowjets in die Tschechoslowakei, manche schon zuvor, aus dieser Partei</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">ausgetreten. Das Wiener Tagebuch war ein Organ des Eurokommunismus</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und die einzige deutschsprachige Zeitschrift, in der Dissidenten aus dem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ostblock und Reformkommunisten aus Frankreich, Italien oder auch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Australien veröffentlichten. Junge Linke schrieben hier ihre ersten Artikel.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Und da ich offenbar eine Gabe habe, zu kommen, wenn es spannend wird,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">begann die “Waldheim-Affäre” Österreich zu verändern. Die Zeitschrift, die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">vorwiegend von betagten Ehrenamtlichen betreut wurde, ließ sich nach</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">dem Ende des “soz. Lagers” nicht mehr halten. Ich habe diese</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">beeindruckenden, schwer gebeutelten und doch nicht verzagten Menschen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">interviewt und über ihre Hoffnungen und verlorenen Illusionen ein Buch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gemacht: <i>Beim Sichten der Erbschaft. Wiener Bilder für das Museum einer</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>untergehenden Kultur.</i> Erschienen bei persona, ein Klein + 1-Frau-Verlag,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">der vier meiner Bücher herausgegeben hat, keine Bestseller, wie sich schon</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">von den Themen her versteht.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ich schlug mich als alleinerziehende Mutter tapfer durch, schrieb Artikel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Essays für deutsche und österreichische Publikationen, verdiente mein</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Geld mit Lehraufträgen und einer Halbtagsstelle, wie man das als Mutter so</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">macht bzw. unter damaligen Umständen halt machen musste.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Als der Eiserne Vorhang an der Grenze zu Ungarn von Alois Mock und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Gyula Horn im Juni 89, also ein halbes Jahr vor dem Mauerfall, geöffnet</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wurde, war auch das ein von großen Hoffnungen begleiteter Aufbruch. In</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">den folgenden Jahren organisierten Optimisten und Idealisten Kongresse</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Tagungen, verfassten Bücher und Broschüren, in denen Visionen eines</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">neuen friedlichen durch Kultur vereinigten freien Europas entworfen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wurden. Es war eine kurze heiße Zeit voll spannender Begegnungen mit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Menschen vom ganzen Kontinent, die sich über die neue Freiheit freuten, in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">zuvor kaum erreichbaren Städten (Talinn, Bukarest, Budapest, Prag</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sowieso). Durch NGOs, Stiftungen, Künstler- und Autorenverbände, auch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mit Hilfe von Europarat und EU entstanden europäische Kulturpolitiken und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Netzwerke einer europäischen Öffentlichkeit (<i>Kulturpolitik, ein Schalk in</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Europas Nacken. Und: Vom Schalk zum Hofnarren</i>). Bald aber, in Wien</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">recht nah, kam der Krieg in Jugoslawien: Verfolgungen, Geflüchtete, Ende</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">vieler Illusionen, plus neuer physischer und ideologischer Grenzziehungen.</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">In Wien lang es nahe, mir die lange Geschichte von Zuwanderungen näher</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">anzuschauen, sie spielten in der multiethnischen österreichischen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Geschichte eine größere Rolle als in den deutschen Ländern. Ich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">beschäftigte mich mit den Völkerwanderungen in der k.u.k. Monarchie,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">einer der Texte hieß Wien – <i>Ostcharme mit Westkomfort</i>, verglich die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Gedenkformen in Ö und D, war Lehrbeauftragte in verschiedenen Fächern</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und konnte damals die Beiträge noch mehrmals verkaufen. (Es gab noch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">kein Internet und wenig Kommunikation zwischen den Blättern). Ein</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ökonom, der die Transformation der ehemals sozialistischen Länder</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">untersuchte, meinte, Kultur gehöre zum Thema dieser Umwandlung</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sozialistischer Länder und holte mich an die Österr. Akademie der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaften; ich war die bunte Hündin in dem Team, schrieb über</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">K<i>ultur &amp; Ökonomie, über Multi- Trans- und Interkulturalismus, Ost-West-</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Kulturverstrickungen und Tote Intellektuelle</i>. Statt die Lebensstellung in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">dem gemütlichen Wien zu genießen und endlich zur Ruhe zu kommen, stieg</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ich aus. Es war verrückt, aber ich hielt das gut bürgerliche Wiener Leben</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">nicht aus. Und schrieb <i>Die Grazie der Intellektuellen</i>. Natascha und der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Faktor S., es war der Versuch, die Reste einzusammeln, die von den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Hoffnungen der ‘68, der Kommunisten, Remigranten und Emanzen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">geblieben sind, inklusive Suche nach neuen Gründen für Optimismus.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">1997 zog ich wieder nach Berlin und fing nochmals was Neues an. Wieder</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hatte sich für kurze Zeit ein Fenster geöffnet: Mitte der 1990er Jahren</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wuchs auch in Deutschland das Interesse etablierter Institutionen,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen: Science in society, Public</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">understanding of science, oder wie in einem der ersten Hefte der Zeitschrift</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Gegenworte gefragt wurde: Muss Wissenschaft hinein ins Leben? Die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">“G<i>egenworte – Zeitschrift für den Disput über Wissen”</i> sind an der aus</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">DDR-Beständen zusammengeflickten Berlin-Brandenburgischen Akademie</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">der Wissenschaften entstanden. (Die Zeitschrift existiert nicht mehr.) Es</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">war ein kühnes Projekt, für das ich Konzept und Ideen zur Gestaltung</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">entwarf und die Redaktion übernahm. Dabei habe ich mich mit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Akademikern aller Disziplinen, auch mit Naturwissenschaftern und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Technikern über ihre Texte gebeugt. Als Maskottchen für meine Glosse</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">erfand ich Die fliegende Schildkröte. Sie konnte verschiedene Disziplinen</p>
<p></p><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">überfliegen und verbinden, denn die Hefte waren interdisziplinär. Zu den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hochfliegenden Ansprüchen gehörte die Betonung von Zusammenhängen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">zwischen den verschiedenen Fächern. Sie waren schon durch die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Themenwahl gegeben, wie bei Lug und Trug in den Wissenschaften,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Sprache in den Wissenschaften oder in den Heften über Forschungsfreiheit,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Utopien und Dystopien in den Wissenschaften u.a.. Damit verbunden war</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">das Erproben einer Sprache zwischen Fachjargon und Werbetalk (hat sich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">verbessert). Ich gründete einen Schönheitssalon für wissenschaftliche Texte</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und tingelte als postmoderne Schnittstellenpersönlichkeit durch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wissenschaftliche Einrichtungen. Noch gab es diesen “spirit”, wollten sich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">auch etablierte Akademiker, wie es im Titel des ersten Heftes hieß: Vom</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Rang ins Parkett bewegen. Der Trend hatte handfeste Gründe:</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Nachwuchssorgen und Brain-Drain in den Naturwissenschaften. Vorbilder</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">für diese Bemühungen um Demokratisierung der immer noch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">absolutistischen Academia waren Holland und England, wo schon länger um</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Akzeptanz für das viele Geld geworben wurde, das Wissenschaft kostet. Mit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">workshops, Ausstellungen, Kinderunis und dem noch unterentwickelten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftsjournalismus entstanden ! ha, schon wieder – neue Medien</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und neue Formen von Öffentlichkeit.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zurück ins 18. Jahrhundert. Der schon erwähnte Varnhagen, bekannt vor</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">allem als Gatte der berühmten Salonière Rahel Levin, der späteren Rahel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Varnhagen (wie sie erst hieß, als ihr erster Salon nicht mehr existierte), war</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">keineswegs der unbedeutende “Kopist” oder “Witwe Rahels”, wie ihn</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Hannah Arendt in ihrer Rahel-Biographie bezeichnet hat. Er gehört zu den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wenigen Männern, die primär durch ihre Frau bekannt wurden. Er hat den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Nachlass seiner 14 Jahre älteren Gattin herausgegeben, ohne ihn wüssten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wir nur wenig über die geniale Kommunikatorin. Inzwischen weiß man</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mehr über den Autor, Übersetzer, Sammler nicht nur ihrer Briefe, auch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Lektor für Alexander von Humboldt. Im Ausland genoss er schon im 19.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Jahrhundert einen besseren Ruf als in Deutschland, wo er nicht in die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">idealistischen Vorstellungen von Literatur passte. Mit ihm konnte ich die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">aufregende Zeit politischer, sozialer und kultureller Umbrüche um 1800 von</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">der Seite, von unten und jenseits des Rampenlichts beleuchten. (<i>Karl August <br></i></p><p><i>Varnhagen und die Kunst des geselligen Lebens</i>. Der Arsenal-Verlag, in dem <br></p><p>das Buch erschien, wurde kürzlich eingestellt.)</p><p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p><br><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ich liebe Kleinverlage, bin von deren Bedeutung und Förderungswürdigkeit</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">überzeugt, habe aber selbstredend nicht abgelehnt, als ich von einem</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Herausgeber der Anderen Bibliothek gefragt wurde, ob ich über Caroline</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Wilhelm von Humboldt schreiben könnte. So kam es zu dem Buch</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt</i>. Bill</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">und Li, wie sie einander nannten, haben eine erstaunlich moderne Ehe</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">geführt. Da sie oft voneinander getrennt waren, sind viele Briefe erhalten,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">an einander sowie an viele Freunde und Freundinnen Drei Tage in der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Woche verbrachten sie mit Briefschreiben, zudem wurden ständig Besuche</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">gemacht und empfangen. Sie lebten – teils gemeinsam, teils getrennt – in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Thüringen, in Berlin, Paris und Wien, in Rom und London, reisten quer</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">durch Spanien, verkehrten mit Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Meine guten Beziehungen zu Forschungsstellen der BBAW halfen mir, in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">die Schlingerbewegungen der damals neuen kulturellen Trägerschicht</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">einzutauchen. Es war eine überschaubare Minderheit, die ein bis heute</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">oder zumindest bis vor kurzem wirksame Ideale, Gedanken und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Verhaltensweisen neu geformt hat.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Schon davor wollte meine Freundin und Lieblingsverlegerin Lisette</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Buchholz (persona-Verlag) verschiedene meiner Aufsätze zu jüdischen,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">vergangenheitsbewältigenden oder mit Antisemitismus konnotierten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Themen in einem Buch sammeln. Nach Fertigstellung des Humboldt-Buchs</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">nahmen wir dieses Projekt wieder auf. Weil ich nicht nur “alte Hadern”</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">abliefern wollte, schrieb ich ein Drittel neu: Es erschien unter dem Titel:</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">J<i>UDEN NARREN DEUTSCHE</i> – in Großbuchstaben, so bleibt offen, ob</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">‘narren’ ein Verb oder Substantiv ist. In dem Bändchen <i>Eitelkeit. Ein</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>spärlicher Name für einen überquellenden Inhalt</i> (bei dem Verlagskollektiv</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">hochroth) ging es um die Annäherung an schwer fassbare Themen, also</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">primär um Handwerk. Nach dem Tod meiner Mutter stellte ich den Band</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">E<i>rstaunter Blick zurück</i> zusammen; mit “meinen” Studierenden entstand</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">B<i>rückenschlag per Sprache</i> und mit Kollegen der Sammelband:</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Wissenschaftskommunikation. Streifzug durch ein ‘neues’ Feld</i>. Ich gab</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Workshops, um den Dialog zwischen Angehörigen unterschiedlicher</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Stämme zu befördern.</p>
<p></p><br><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Als ich über Clemens Fürst von Metternich, den Bösewicht des frühen 19.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Jahrhunderts schreiben wollte und fast alles abgemacht war, erfuhr der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Verleger, dass eine große Metternich-Biographie geplant sei. Das Projekt</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">war damit gestorben. Ich schrieb dann Karl Huß, der empfindsame Henker</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">– seine ungewöhnliche Geschichte war ursprünglich für ein Kapitel im</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Metternich-Buch vorgesehen. Der Henker aus einer langen Tradition von</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Henkern war ein exemplarischer Außenseiter, dem die Aufklärung über</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">viele Umwege eine Integration ermöglicht hat: an seinem Lebensabend</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wurde er Kustos bei Metternich. Denn neben seinem grausigen Handwerk</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">sammelte er Steine, Münzen und Gerätschaften, die er sich an Zahlung statt</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">von Bauern geben ließ. Da er notgedrungen viel vom menschlichen Körper</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">verstand, war er auch als Heiler tätig. Die Schickeria aus Karlsbad fand ihn</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">originell und besuchte sein kleines Museum, so auch Goethe.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">C<i>ongress mit Damen. Wien 1814/15</i> knüpft daran an. Zuchtmeister dieses</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kongresses, mit dem Europa neu geordnet wurde, war bekanntlich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Metternich. In diesem Buch stehen Frauen im Vordergrund – solche, die</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">trotz des Interesses an weiblichen Protagonistinnen kaum gewürdigt</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wurden, weil sie privilegierte Adelige waren. Dennoch spielten sie – u.a. in</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Salons – eine wichtige Rolle bei politischen Entscheidungen. Wieder konnte</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">ich bei den Recherchen studieren, wie sich Ideale verkehren, Hoffnungen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">zerstört werden, Ideen mutieren. Als 1814/15 gewürdigt wurde, reiste ich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">mit dem Buch und vielen hübschen Bildern durch die Lande und erzählte</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">von diesem Umbruch in Europa, den Damen, den Widersprüchen und</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ambivalenzen der beteiligten Figuren.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kurz bevor Corona auch mich aus der Bahn bzw. vom Markt warf, erschien,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">wieder bei persona, <i>Simon Veit, der missachtete Mann einer berühmten</i></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><i>Frau</i> über den vorhin erwähnten ersten Mann Brendel Mendelssohns, der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">späteren Dorothea Schlegel. Es war neues Material aufgetaucht, der</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">geschmähte Gatte entpuppte sich bei den Recherchen als großzügiger,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">erstaunlich verständnisvoller Mann, der seine Frau und Friedrich Schlegel</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">immer unterstützt hat. Außerdem war er eine ideale Figur, um den Prozess</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">der Emanzipation innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde seit den</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Reformen seines Schwiegervaters Moses Mendelssohn zu erforschen.</p>
<p></p><br><p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Usw. usf. mit allerlei Zeitungsartikeln zu aktuellen Themen, von verbotenen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Judensauen bis zur erlaubten Nacktheit. Meine Protagonisten sind nur</p>
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<p class="wp-block-paragraph">insofern Vorbilder, als sie mit Umbrüchen und Unsicherheiten umgehen</p>
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<p class="wp-block-paragraph">mussten. Anstelle des Großen und Ganzen und den schnellen Antworten</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">interessieren mich nun Ambivalenzen, Widersprüche und die Frage, wie</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">man mit Chaos und Komplexität umgehen kann. Derzeit beschäftigen mich</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">KI &amp; eine persische Königin aus dem 5. Jhdt. v.u.Z.. Als Fan des</p>
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<p class="wp-block-paragraph">transgenerationellen Dialogs weiß ich, dass jenseits von kalifornischen</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Milliardären und twitternden Shitstormern neue Kommunikationsformen</p>
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<p class="wp-block-paragraph">entstehen – auf Plattformen, in Netzwerken und bei physischen Treffen,</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">außerkommerziell – wie in open-source communities, im Indie-Web, bei</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wikipedia, mit gemeinwohlorientierter KI und in Hacker-spaces wie diesem.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Weltverbesserungsgeschult spekuliere ich, ob bald das neue Internet</p>
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<p class="wp-block-paragraph">entstehen würde, das Gerd Gigerenzer in seinem Buch „Klick“ an die Wand</p>
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<p class="wp-block-paragraph">malt. Ich bin keine hauptberufliche Schriftstellerin, war weder in der Villa</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Massimo noch in Wiepersdorf oder sonst einem der bezahlten Schreib-</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Refugien. Das wäre mit Kind und nicht zuletzt aufgrund meiner mangelnden</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Begabung für Zugehörigkeiten auch schwer gewesen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Je ne regrette rien. Obwohl – die Wohnung, die ich in Wien hatte und die</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Rente, die ich bekommen hätte, wenn ich geblieben wäre, würde ich nicht</p>
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<p class="wp-block-paragraph">verachten. Ich danke Euch, v.a. Maria Reimer, weil ich beim Vorbereiten</p>
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<p class="wp-block-paragraph">keinen roten, aber einen rosaroten Faden gefunden habe. Er zieht sich</p>
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<p class="wp-block-paragraph">durch meine Texte: sie haben mit Öffentlichkeiten – im Plural, mit</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Gegenöffentlichkeiten und Öffnungen zu tun, mit Brücken zwischen</p>
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<p class="wp-block-paragraph">abgeschotteten Gruppen, zu verschiedenen Zeiten. Sie handeln von Medien</p>
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<p class="wp-block-paragraph">und verschiedenen Mitspieler, zu denen auch die Besitzer (selten -innen)</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">samt deren Interessen gehören. Etwas theoretischer formuliert geht es um</p>
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<p class="wp-block-paragraph">jene vierte Gewalt, die für Transparenz, Kontrolle und neue Ideen zuständig</p>
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<p class="wp-block-paragraph">ist, sein sollte – oder werden könnte. Es sind Geschichten vom Heran- und</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Herauswachsen neuer kultureller Trägerschichten, die neue Sitten und</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Gebräuche etablieren. Da ich viel darüber geforscht habe, denke ich, dass</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">diese Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><br></p><p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>								</div>
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