Close

Blog

die fliegende Schildkröte

 
tv steht für testudo volans = die fliegende Schildkröte, mein Maskottchen. Sie ist ein Geschöpf der Antike, klug, geduldig und gelassen verbindet sie Erdenschwere mit kühnem Gedankenflug, ein  Emblem für das Unmögliche, beflügelnd und skeptisch. Sie war der gute Geist der Zeitschrift Gegenworte, die ich mitbegründet und redigiert hatte, nun biete ich ihr hier Exil.
 
Neueste Nachrichten: Von dem Buch über Simon Veit, den ersten Ehemann der Brendel Mendelssohn, die als Dorothea Schlegel berühmt wurde, wurde eine 2. Auflage gedruckt. Es ist beim Verlag [http://www.personaverlag.de] und in guten Buchhandlungen (für € 10,-) erwerbbar. Und bei aller Bescheidenheit muss ich doch, weils so schön ist, die Rezension von Alf Mayer aus culturmag verlinken. http://culturmag.de/crimemag/non-fiction-kurz/118401
 
Nächste Lesung

SIMON VEIT, der missachtete Mann einer berühmten Frau*. persona-verlag, Mannheim 2019.

:am 14. November in Heidelberg, Museum Haus Cajeth ; am 22. November im Buchhändlerkeller Berlin, Carmerstrasse1 

und

am 11. Dezember in Bonn,  in der Buchhandlung Böttger Thomas-Mann-Str. 41 53111 Bonn Beginn 20:00

 
 
 
Weitere Blogs mit Beiträgen von mir:
 
 
 

in Heidelberg

Nicht mir Rechten reden?

Verbote sind Quatsch. Mit Tabus hatten wir doch schon im vorigen …

Lesen lernen geklaut aus der Literaturbeilage der Welt animiert das Zitat …

Weltuntergang to go

Weltuntergang to go. Eine Fallstudie ad: Thomas Bauer, Die Vereindeutigung der …

Von aufgeräumter Geschichte

Seinerzeit brachte mir eine Freundin einen Zeitungsausschnitt, es geht in dem …

Jüdisches Museum nur für Juden?

Anläßlich des Rücktritts von Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums:   …

Simon Veit

Hazel RosenstrauchSimon VeitDer missachtete Mann einer berühmten FrauEssay http://www.personaverlag.de/112 Seiten, Paperback, …

B. Traven

Der Entlarver Über Jan-Christoph Hauschilds „Das Phantom“ – eine Replik B. …

Beseitigung von Rassismus anno 1984

Beseitigung von Rassismus anno 1984

Angeregt von der Lektüre von Christian Bommarius über das Jahr 1949 …

Wieso kennt den hier keiner?

Wieso kennt den hier keiner?

Günther Birkenfeld, Wolke – Orkan – und Staub. Verlag Das kulturelle …

Neues Buch

Neues Buch

Im Juni erschien: Simon Veit, der missachtete Mann einer berühmten Frau. …

Die große Aufregung über Judenvernutzung

Die große Aufregung über Judenvernutzung

Takis Würgers Buch über Stella Goldschlag wird als übles Machwerk, Ärgernis, …

Emanzipation 2019

Emanzipation 2019

Emanzipation 2019 Mir fällt der Lippenstift aus der Tasche, Rolf hebt …

geklaut aus der Literaturbeilage der Welt animiert das Zitat zu Überlegungen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssten, damit Menschen lernen, mit Posts kultiviert umzugehen:

Essad Bey, eigentlich Lev Nussimbaum, der das Internet nicht kannte, weil er 1942 gestorben ist, schrieb in der “Literarischen Welt” vom 27. Juni 1930

Das Lesen der Bücher muss ebenso wie alles andere erst richtig gelernt werden. Ein Konversationslexikon will anders gelesen sein als ein Kriminalroman, und eine Reisebeschreibung verlangt eine andere Behandlung als ein Band Lyrik. Leider fehlen uns bis jetzt belehrende Schriften etwa mit dem Titel “Wie lese ich ein modernes Buch?” oder “Wie liest man Goethe?”. Wer kennt z.B. die goldene Regel, dass Reisebeschreibungen vor dem Schlafengehen und Liebesromane nach dem Mittagessen gelesen werden müssen? Wer weiß, wieviel gute Bücher durch falsches Lesen um ihre Wirkung gekommen sind? Denn die zarte geistige Nahrung muss in ganz bestimmter Zubereitung verzehrt werden, vorausgesetzt, dass der Verzehrer ein kultivierter Mensch ist.

meine Verlegerin Lisette Buchholz hat die Pressekommentare zu Simon Veit gesammelt:

»Von Johannes Veit ist ein Porträt seines Vaters erhalten, das einen gütigen Mann zeigt, dem Spott nicht ganz fremd war. Man stellt sich vor, was er über die Eskapaden seiner Gattin, dieses ganzen deutsch-romantischen Milieus dachte, das sich gestern für die Französische Revolution begeisterte, und morgen, als Metternich das Sagen hatte, in den Schoß der katholischen Kirche kroch. Simon Veit dagegen blieb immer Jude, hatte immer genug Geld, seine so überaus anpassungsfähige, damit aber nie sonderlich erfolgreiche Familie zu ernähren. Während die Propagandisten der Liebe größte Schwierigkeiten hatten, sie zu zeigen, schlug >das kalte Herz des Kapitalisten< stets zuverlässig liebevoll für die einstige Gattin und die Söhne. Er interessierte sich für ihre Arbeiten, er las Romane und Gedichte. Er war nicht fühllos. Hazel Rosenstrauchs Band ist ein schönes Buch geworden. Nicht nur schön geschrieben, sondern schön gedacht. Es macht deutlich, wie leicht wir denen auf den Leim gehen, die wir lesen. Wer sich nicht zu Wort meldet, den übersehen wir.« Arno Widmann, Berliner Zeitung

»An Simon Veits Leben lassen sich Züge ablesen, die speziell für die jüdische Zeitgeschichte so repräsentativ waren wie die deutsche und europäische im Allgemeinen. Darüber hinaus gerät das lehrreiche, wohlformulierte kleine Buch zu einem engagierten >Plädoyer für die Aufhebung überholter Kategorien<«. Thomas Groß, Mannheimer Morgen

»Was ist das Unglück einer romantischen Frau? Ein prosaischer Mann. Wie kann sie von diesem Unglück befreit werden? Durch einen romantischen Mann. Das ist die Formel, nach der schon zu ihren Lebzeiten von Brendel Veit erzählt wurde, der Tochter Moses Mendelssohns, aus der Dorothea Schlegel wurde. Der prosaische Mann war der jüdische Kaufmann und Bankier Simon Veit, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte, und den sie nach 14 Jahren Ehe verließ, als sie 1797 im Salon von Henriette Herz in Berlin den Schriftsteller Friedrich Schlegel kennenlernte.

Bekannt war die Großzügigkeit, mit der Simon Veit seine geschiedene Frau und Friedrich Schlegel materiell unterstützte, wenn dies erforderlich war. Nun bettet ihn Hazel Rosenstrauch erstmals nuanciert in seine Herkunftsgeschichte, also in das Milieu der jüdischen Oberschicht, und in den Kontext der jüdischen Aufklärung in Berlin ein. Mit resignativer Toleranz ertrug Veit nicht nur, dass Dorothea zunächst zum Protestantismus, dann mit Friedrich Schlegel zum Katholizismus konvertierte, sondern überdies, dass die gemeinsamen Söhne, die Maler Johannes und Philipp Veit, ebenfalls katholisch wurden, nach Rom gingen, und den Markt mit Madonnenbildern belieferten. >So lange wir nur verschieden in der Religion, in unsern moralischen Grundsätzen eins sind, so wird nie eine Trennung zwischen uns vorfallen<, schrieb Simon Veit 1810 an seinen Sohn Philipp. Er muss besessen haben, was die Zeitgenossen >Herzensbildung< nannten.

Briefe der Söhne an den Vater, die meisten aus Rom, bilden das Hauptkonvolut der neu aufgetauchten Dokumente. Schon, damit die kärglichen Informationen über den Nachlass, dem sie entstammen, ergänzt werden können, ist dem erhellenden Buch eine zweite Auflage zu wünschen.« Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung

»Beim Lesen dieses Buch reibt man sich immer wieder die Augen oder zwickt sich in den Arm: So vergnüglich, rasend spannend und sinnstiftend kann also Kulturwissenschaft sein! Keine 100 Seiten stark, durchkomponiert und erfrischend lesbar, ist diese elegant und ohne jede Autorinnen-Eitelkeit geschriebene Studie ein geschliffener Edelstein des politischen Essays. Für diese Kulturstudie von Rang aus dem Milieu der jüdischen Aufklärung in Berlin müsste es eigentlich Preise hageln.
Die Annäherung an den Mann im Hintergrund bedeutender Frauen wurde zu einer Mischung aus Detektivarbeit und Puzzlespiel. Was Hazel Rosenstrauch findet, ist, dass dieser Mann – alles andere als ein Intellektueller – mehr von der Gesellschaft repräsentiert als die für groß erachteten Figuren, über die so viel geschrieben worden ist. Indem sie in den Lücken gräbt und seinen Spuren folgt, entgeht sie auch der Spezialisierung innerhalb der Geschichtsschreibung, die dazu geführt hat, dass Juden und Mehrheit meist getrennt behandelt und das Trennende stärker betont wird als die Gemeinsamkeiten. Immer wieder schlägt sie Brücken in die Gegenwart, reflektiert, wie Geschichtsschreibung – sei es für den Feminismus, für rechte oder linke Ideale – Ikonen schafft, die nicht die ganze Wahrheit sind.
« Alf Mayer, culturmag

»Hazel Rosenstrauch kann das unbeschriebene Blatt Simon Veit anhand von neu aufgefundenen Dokumenten – einem Hochzeitspoem, einem Testament und einem Nachruf sowie diverse Briefen – nun ergänzen. Sie tut dies neutral, die Interessen der Beteiligten berücksichtigend, was eine Einbettung in die Kultur- und religionshistorischen Zusammenhänge bedeutet. Am Schluss stellt sie die Frage, ob es nicht lohnend sein kann, gelegentlich unseren Blick auf die Vergangenheit zu ändern.« Irene Ferchl, Literaturblatt für Baden-Württemberg

»Mit fast kriminalistischem Spürsinn hat die Berliner Kulturwissenschaftlerin Rosenstrauch diesem verlassenen Ehemann nachgespürt und eine kleine Heldengeschichte geschrieben.« Brief der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft

»Rosenstrauch nähert sich dem Thema vorbehaltlos, aber am Anfang des Bandes weiß sie natürlich schon, was wir nicht wissen: Sie hat Unterlagen, vor allem Briefe ausgegraben, sie Simon Veit als deutlich weniger faden und uninteressanten Zeitgenossen erscheinen lassen.« Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

Anläßlich des Rücktritts von Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums:

Jüdisches Museum nur für Juden?

Der Direktor des Jüdischen Museums muss zurücktreten, weil seine Pressestelle einen Tweet empfohlen hat, in dem sich israelische Wissenschaftler zum Boykott gegen israelische Waren äußern, und dabei nicht die offizielle Politik vertreten. Gleich danach wird der Vorschlag ins Spiel gebracht, nur Juden sollten das jüdische Museum leiten (womit darauf verwiesen wird, dass Herr Schäfer kein Biojude ist). Wer wird über die Jüdischkeit bestimmen? Der Zentralrat der Juden? Oder der Antisemitismusbeauftragte? Dürfen Konvertiten? Oder Menschen, die “nur” einen jüdischen Vater haben? Müssen mindestens drei Großelternteile jüdisches Blut haben?

Ob Antisemiten oder Philosemiten derlei Vorschläge machen, ist egal, es bleibt rassistisch, ist allerdings nicht allzu weit von anderen Identitätspolitiken entfernt. Nur Schwarze dürfen über Schwarze, nur Frauen über Frauen schreiben oder reden. Was passsiert mit dem deutschen Kulturbetrieb, wenn sich nur Juden über Jüdisches äußern oder nur “reinrassige” Juden Klezmer-Musik machen dürfen?

Es ist hierzulande schwierig, in Angelegenheiten, die jüdische, amerikanische, israelische oder irgendwie kontaminierte Themen betreffen, zu differenzieren und mehrere Gesichtspunkte zu betrachten. Die hysterischen Reaktionen sind nicht nur lächerlich, sie befördern auch die sattsam bekannten Verschwörungstheorien à la: “Man darf nichts sagen”. Es gab und gibt viele Arten, jüdisch zu sein, und der Zentralrat der Juden ist kein jüdischer Papst, der definieren könnte, was erlaubt oder verboten ist; auch eilfertige Philosemitinnen haben keinerlei Legitimation, um über die Besetzung eines öffentlichen Museums zu bestimmen. Mit solchen irren Geboten wird die mühsam aufgebaute Vielfalt jüdischen Lebens, für die die Bundesrepublik viel Geld und Mühe aufgewandt hat, demoliert. Dabei könnten Debatten über die komplexen Fragen zur deutschen und deutsch-jüdischen Geschichte samt Meinungen über die Beziehung zu Israel dem Nachfolgestaat des NS-Regimes nur gut tun. Rufe nach Zensur, politischer Korrektheit und Parteinahme bewirken das Gegenteil von Aufklärung.